Zwischen Robert Deppe und Carla Moses braucht es im Cockpit nicht viele Worte. Während er fliegt, hat sie die Planung im Kopf und die Karte in der Hand, und das GPS bleibt ausgeschaltet. Was zählt, ist das, was die beiden seit mehr als einem Jahrzehnt miteinander können und lange zuvor schon in Breitscheid gelernt haben: einander zu lesen, den Kurs zu halten und auf den Meter und die Sekunde genau zu bleiben.
Genau so haben sie Anfang September in Gotha Unlimited und die Landung gewonnen: Deutsche Meister in der anspruchsvollsten Klasse der Offenen Deutschen Meisterschaft im Air Navigation Race und zugleich das präziseste Team auf der Landebahn. Parallel dazu gewannen sie auf derselben Strecke das Thüringer Bratwurst ANR, den offenen Vereinswettbewerb des Aero-Club Gotha. Für uns als Luftsportgruppe Breitscheid-Haiger e.V. sind das zwei von uns, die fliegerisch in Breitscheid groß geworden sind und den Titel für die „Hub“ holen.

Fliegerisch in Breitscheid groß geworden
Die Geschwister Robert und Carla kommen aus Maxsain, ihr Handwerk aber haben beide bei uns gelernt. Lange bevor sie deutsche Meister wurden, waren sie Kinder am Flugplatz, mit Platzrunden über dem Westerwald, Schulung, Vereinsbetrieb und irgendwann den ersten Wettbewerbsstrecken. Die Fliegerei liegt in der Familie: Vater Oskar Deppe flog selbst Wettbewerbe und war 2014, als die beiden schon auf dem Podium standen, bei der Deutschen Meisterschaft mit dabei.
Robert fliegt seit 1997 bei der LSG. Die Ausbildung begann mit 13 Jahren, nur mit behördlicher Ausnahmegenehmigung, zuerst im Segelflug. 2000 folgte die PPL C, 2001 die PPL B und 2002 die PPL A in Breitscheid. Später kamen Kunstflug, Nachtflug, Instrumentenflug und die Lehrberechtigung dazu. 2021 machte er die FI(A) bei unserer ATO und gibt seither Schulung. Mehr als 1.800 Flugstunden stehen in seinem Buch. Carla wuchs parallel in denselben Hallen, an denselben Maschinen und in demselben Verein auf. Heute reisen die beiden zu Wettbewerben aus Buxtehude bei Hamburg an, geflogen sind sie weiter für uns.
Sie plant, er fliegt
Im Cockpit haben sich die Rollen über viele gemeinsame Jahre herausgebildet. Carla übernimmt den größten Teil der Vorbereitung: Sie konstruiert die Strecken, rechnet Kurse und Zeiten und bereitet die Karte vor. Im Flug denkt sie die Strecke voraus. Robert hält die Maschine im Korridor, auf der Linie und im richtigen Tempo.
Diese Arbeitsteilung kommt aus dem klassischen Navigationsflug, in dem es im Kern drei Disziplinen gibt. Beim Präzisionsflug sitzt ein Pilot allein im Cockpit. Der Fokus liegt auf der Zeit, weil unbekannte Zeitkontrollen auf der Strecke liegen; Bilder und Zeichen gibt es nur wenige, dafür muss ultrapräzise gehalten werden. Beim Rallyeflug fliegt man zu zweit. Teamwork zählt, und der Schwerpunkt liegt auf dem Finden von Bildern, während die Uhr nur an den Checkpoints stimmen muss. Dort ist Carlas Blick für Fotos und Geländemarken besonders gefragt. Beide Wettbewerbe sind intensiv, aber aufwendig vorzubereiten, weil die Streckenfotos vorher geflogen und geschossen werden müssen.
Genau deshalb gibt es das Air Navigation Race: eine Disziplin, die ein Verein selbst aufsetzen kann, ohne den großen Aufwand der Streckenfotos. ANR kommt ohne Bilder aus: Die Crew startet, fliegt durch ein Gate in einen virtuellen Korridor und muss darin bleiben. Typisch ist der Korridor rund 0,4 nautische Meilen breit, bei Weltmeisterschaften nur noch 0,2 nautische Meilen. Entlang der Strecke gibt es keine weiteren Zeitkontrollen, nur den Einflug und den Ausflug zur vorgegebenen Zeit, plus eine Ziellandung. Handhelds und andere elektronische Hilfsmittel sind verboten. Vor dem Start bleiben oft nur 30 Minuten, um Kurse und Zeiten zu bestimmen. Ein GPS-Logger, manchmal sogar ein Sender für Liveübertragung, zeichnet den Track auf, ohne dass die Crew ihn selbst sieht. Je länger die Maschine außerhalb des Korridors ist, desto mehr Strafpunkte zählt die Software.
Das „Race“ im Namen kommt daher, dass mehrere Strecken nebeneinander liegen können. Drei Crews gehen gleichzeitig raus, fliegen gegeneinander und tauschen danach die Kurse, sodass am Ende jeder dreimal unter gleichen Bedingungen geflogen ist. Am Platz lässt sich das live auf den Beamer werfen. Die Disziplin ist noch vergleichsweise jung und soll einfach bleiben, damit Vereine einen Navigation Race zum Abfliegen oder als eigenes Event aufsetzen können, mit App oder Transponder und Auswertung in Echtzeit.
Wie das im Cockpit klingt, zeigt das folgende Video von einem Air Navigation Race-Kurs, mit Karte, Timing und der Abstimmung zwischen Pilot und Navigator.
Wer das Video nicht direkt hier abspielen kann, findet es auf YouTube.
Jede Strecke endet mit einer Landung, bei der das Hauptfahrwerk in einem nur drei Meter langen Feld der Landebahn aufsetzen soll. Je weiter davor oder dahinter die Maschine aufkommt, desto mehr Strafpunkte gibt es. Kaum einem Team gelingt nach jedem Flug die perfekte Landung, und genau dort entscheidet nach der Strecke das Gefühl für Wind und Maschine.
Eine Crew, die sich den Titel erflogen hat
Robert und Carla gehören seit Jahren zur deutschen Navigationsflug-Spitze. Er fliegt im Nationalteam und gibt sein Wissen als Fluglehrer und Co-Trainer weiter; Carla ist seit 2016 Motorflugreferentin des Hessischen Luftsportbundes.
2013 holte Robert bei der Weltmeisterschaft im Präzisionsfliegen in der Oberlausitz Bronze als bester Einsteiger, Best Low Experienced Pilot, noch ohne Navigator neben sich. Ein Jahr später saß Carla im Cockpit. Bei der Deutschen Meisterschaft im Navigationsflug in Neubrandenburg standen sie auf dem Bronzerang; eine Woche später holten sie bei ihrer ersten gemeinsamen Rallyeflug-WM im polnischen Toruń Mannschaftssilber.
2016 flog Robert in zehn Stunden von der „Hub“ nach Portugal, mit Zwischenlandungen in Frankreich und Spanien, noch mit der vereinseigenen Diesel-Cessna. Bei der WM in Santa Cruz traten 52 Teams aus 18 Nationen an, zwei davon aus Breitscheid. Zusammen mit Arnold und Dörthe Grubek wurde daraus Mannschaftsgold in der Advanced-Klasse, vor starken Crews aus Südafrika und Russland; der Trophäenschrank im Vereinsheim bekam zwei WM-Goldmedaillen. Seit 2019 gehört die Cessna 172 D-EHUZ ihm selbst: eine C172N TDI, IFR-ausgerüstet, in älteren Berichten noch als „Uniform-Zulu“, dieselbe Maschine, mit der die Crew bis heute fliegt.
2021 folgte erneut Bronze bei der Deutschen Meisterschaft. 2024 gewannen sie die Rallye zwischen den Meeren in der Kategorie Unlimited und organisierten in Breitscheid die internationale Deutsche Meisterschaft und den Hessensternflug mit, bei dem sie selbst starteten. 2025 siegten sie beim Allgäuflug in Unlimited, wurden Vierte beim Deutschlandflug und flogen für Team Germany bei der Rallyeflug-WM in Ferrara. Dort waren sie die einzige deutsche Crew, die von Wertungsflug zu Wertungsflug besser wurde, obwohl die Kurse schwerer wurden. Im Juli 2026 belegten sie bei der Offenen Deutschen Meisterschaft im Rallyeflug in Zwickau in der Landewertung den zweiten Platz. Sechs Wochen später standen sie in Gotha wieder am Start.

Drei Tage in Gotha
Vom 3. bis 6. September 2026 traten in Gotha elf Crews aus dem ganzen Land an. Der Platz liegt fliegerisch gut, mit dem Harz im Norden, dem Thüringer Wald im Süden, der Anflugschneise von Erfurt, Eisenach auf der einen Seite und dem Rennsteig mitten durch. Die Crews flogen um den Berg, durch eine Gegend, die zum Navigieren gemacht scheint. Der Wind machte den ersten Wertungstag schwer, die Korridore wurden enger und die Routen kniffliger, bis am Ende Kreisbögen über dem Wald mit nur 0,25 nautischen Meilen Breite zu fliegen waren. Das Kopf-an-Kopf-Rennen der erstplatzierten Crews entschied sich auf den letzten Metern.
Der Aero-Club Gotha richtete das Ganze familiär aus, auf einem alten Militärflugplatz mit wieder aufgebauten Baracken. Robert und Carla übernachteten direkt am Platz in renovierten Zimmern, andere Crews lagen im Hotel.
Gewertet wurde parallel auf zwei Ebenen. Die Medaillen gehören zur Deutschen Meisterschaft ANR. Daneben gibt es in Gotha jedes Jahr das Thüringer Bratwurst ANR, den offenen Lauf des Vereins, bei dem auch Crews ohne Meisterschaftserfahrung mitfliegen können. Der Samstagsflug war dieselbe Strecke wie in der Meisterschaft, nur mit eigener Wertung, ähnlich wie 2024 in Breitscheid die Deutsche Meisterschaft und der Hessensternflug auf einer Strecke zwei Wertungen hatten. Robert und Carla gewannen beide Läufe.
In der Meisterschaft selbst messen sich die Crews nach Erfahrungsstand in den Kategorien Newcomer, Advanced und Unlimited, dazu gibt es eine Damenwertung. Robert und Carla starten in der Unlimited, der offenen Klasse. Dort kamen sie mit 736 Strafpunkten vor Oliver Meindl und Marco Frenzel (819) sowie Max und Gregor Przybylla (1606). Die Landewertung ging mit 40 Punkten erneut an sie, vor Meindl und Frenzel (60); zweimal setzten sie mit einer Null-Landung genau im Feld auf.

Der Blick geht schon weiter
Für den deutschen Navigationsflug ist Gotha zugleich Vorbereitung. Vom 23. August bis 4. September 2027 findet in Zwickau die 4. FAI World Air Navigation Race Championship statt, bei der rund 40 Crews aus der ganzen Welt um den Weltmeistertitel fliegen werden. Genau deshalb sind Robert und Carla in die Disziplin eingestiegen. Der Start in Zwickau ist für sie fest eingeplant.
Wir gratulieren Robert Deppe und Carla Moses. Wir sind stolz auf euch.
Wer tiefer in den Wettbewerb in Gotha einsteigen möchte, findet den Bericht der Bundeskommission Motorflug beim DAeC. Termine, Förderungen und weitere Infos zum Navigationsflug stehen auf navigationsflug.de.
Fotos: privat.