Historisches Flugzeugmotiv am Flugplatz

Flugplatz

Geschichte

Zwei Geschichten an einem Ort: vom getarnten Einsatzhafen zur zivilen Wiederaneignung auf der Hub.

Einleitung

Zwei Geschichten an einem Ort

Der Flugplatz Breitscheid erzählt zwei eng miteinander verbundene Geschichten. Die erste handelt von seiner Entstehung als getarnter militärischer Einsatzhafen, von Krieg, Zerstörung und den Folgen für die umliegenden Ortschaften. Die zweite beginnt nach 1945: Aus einem beschädigten und teilweise wieder landwirtschaftlich genutzten Gelände wurde durch Eigeninitiative, handwerkliches Können und ehrenamtliches Engagement ein ziviler Flugplatz.

Gerade dieser Neuanfang prägt den Charakter der Hub bis heute. Die militärische Vergangenheit bleibt sichtbar und wird bewusst aufgearbeitet – zugleich steht der Flugplatz heute vor allem für Ausbildung, Luftsport, Gemeinschaft und eine friedliche Nutzung der Fliegerei.

Die geografische Lage bot bereits während der Planungsphase in den 1930er Jahren entscheidende strategische Vorteile, während sie heute die Basis für einen modernen Verkehrslandeplatz bildet, der tief in der Infrastruktur des Westerwaldes verankert ist.

Flugtag auf dem Flugplatz Breitscheid 2008
celebration Zivile Geschichte

Ziviles Luftfahrtfest auf der Hub (2008)

Der einstige Einsatzhafen im bunten Festtrubel. Foto: Marco Dienst.

01

1935–1938

Tarnung & Bau

Unter dem Tarnnamen „Musterviehweide“ entstand auf der Hub ein verdeckter militärischer Feldflugplatz.

02

1939–1945

Einsatzhafen

Strategischer Luftwaffenstützpunkt, Bombardierungen und die Tragödie von Gusternhain.

03

1945–1951

Demilitarisierung

Trümmerbeseitigung, landwirtschaftliche Zwischennutzung und die Rückkehr des Geländes in den Alltag.

04

1951–1957

Pionierzeit

Eigenbau des Grunau Baby III und der zivile Neuanfang aus eigener Kraft.

05

ab 1957

Luftfahrtzentrum

Hallen, Ausbildung, Flotte und Flugtage: Der Verein wird zu einem festen Bestandteil der Region.

06

heute

EDGB

Verkehrslandeplatz für Ausbildung, Luftsport, Gemeinschaft und friedliche Fliegerei.

Erste Geschichte

Militärischer Ursprung

Planung, Tarnung und Einsatzhafen – die Entstehung des Platzes und seine Kriegsgeschichte.

Zum ehemaligen Einsatzhafen gehörendes Gebäude am Breitscheider Flugplatz
camera_alt Zum ehemaligen Einsatzhafen gehörendes Gebäude am Breitscheider Flugplatz. Foto: Ulrich Thielmann, 2006.
Historische Luftaufnahme des Flugplatzes Breitscheid mit erster Halle und Bunkerringstraße
photo_library Luftaufnahme der Hub mit erster Halle und Bunkerringstraße
Leutnant Franz vor einer Messerschmitt Bf 109 G-14/AS im August 1944
photo_library Messerschmitt Bf 109 G-14/AS am Einsatzhafen
01
1935–1938

Die Ära der Tarnung: Planung und Bau unter der „Musterviehweide“

Die Geschichte des Flugplatzes Breitscheid beginnt nicht als ziviles Luftsportprojekt, sondern als verdeckte militärische Anlage auf der exponierten Hochebene „Auf der Hub“ in 559 Metern Höhe. Um die völkerrechtswidrige Aufrüstung der Luftwaffe vor dem Ausland geheim zu halten, griffen die nationalsozialistischen Planer 1935 auf Methoden der strategischen Camouflage zurück: Für das Bauvorhaben wurde die Tarnbezeichnung „Musterviehweide“ gewählt, was eine rein landwirtschaftliche Bodenverbesserung (Melioration) suggerieren sollte.

Der geplante Eingriff stieß zunächst auf erhebliche Bedenken und Widerstand von Bürgermeister Robert Bechtum. Die Gemeinde hatte kurz zuvor erhebliche finanzielle Mittel in die Aufwertung und Melioration der Weide investiert. Da das Vorhaben jedoch übergeordnete militärische Priorität genoss und behördlich beschlossen war, konnte die Gemeinde lediglich die Beschäftigung örtlicher Arbeitsloser während der anhaltenden Wirtschaftskrise sowie die vertragliche Zusicherung der Gras- und Heunutzung durch örtliche Landwirte erreichen.

Der Flächenverbrauch für das Projekt war enorm: 60 Morgen (15 Hektar) privates Wiesengelände (finanziert durch ein Reichsdarlehen über 17.000,00 RM, was heute einer Kaufkraft von ca. 112.540,00 € entspricht*), 45 Morgen (11,25 Hektar) bester Ackerboden sowie dichte Waldflächen des Distrikts „Hickenhain“ wurden einbezogen. Unter der Leitung der HOCHTIEF AG wurde das Gelände im ununterbrochenen Tag- und Nachtbetrieb eingeebnet und nivelliert. Dabei musste sogar die bestehende Landstraße zwischen Breitscheid und Rabenscheid dauerhaft nach Norden verlegt werden.

Zur Wahrung des landwirtschaftlichen Scheins wurden die Bauten gezielt getarnt. Das „Kommandantenhaus“ (das heutige Wohnhaus Frank) und die Wirtschaftsgebäude der heutigen Firma Möller Baustoffe wurden im typischen Stil regionaler landwirtschaftlicher Gehöfte errichtet. Die Doppelnutzung wurde durch die Einsaat einer speziellen Grasmischung und den systematischen Verkauf des Heus an lokale Landwirte aufrechterhalten – ein entscheidendes Element zur Tarnung und Akzeptanz des geheimen Flugplatzes.

*Hinweis: Diese Umrechnung basiert auf der geschätzten Kaufkraft und dient nur zu Vergleichszwecken.

Leutnant Franz vor einer Messerschmitt Bf 109 G-14/AS im August 1944
camera_alt August 1944: Leutnant Franz mit Hund vor einer Messerschmitt Bf 109 G-14/AS als Staffelkapitän der 7./JG 11. Foto: Richard Franz.
Historische Luftaufnahme des Flugplatzes Breitscheid mit Bunkerringstraße
photo_library Die Hub mit Bunkerringstraße
Bf 109 G-6 auf dem Breitscheider Flugplatz
photo_library Bf 109 G-6 später wieder in Breitscheid
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1939–1945

Der Einsatzhafen im Zweiten Weltkrieg und die Tragödie von Gusternhain

Nach einer anfangs ruhigen Phase im Zweiten Weltkrieg erlangte die Anlage ab September 1944 eine erhebliche operative Bedeutung. Am 15. September 1944 wurden 30 Jagdflugzeuge des Typs Messerschmitt Bf 109 G-14/AS nach Breitscheid verlegt. Die unbefestigte Grasbahn auf der Hub diente fortan als wichtiger, getarnter Einsatzhafen der Luftwaffe für die Reichsverteidigung gegen die vordringenden alliierten Bomberströme.

Der Platz fungierte als wichtiger operativer Stützpunkt während der heftigen Kämpfe um den Brückenkopf Remagen im März 1945. In diesem strategischen Kontext spielten die Funkanlagen auf der nahegelegenen Fuchskaute eine zentrale Rolle: Sie dienten vor allem in Warnsituationen als Kommunikationsknoten für den Boden-Bord-Funkverkehr der drei benachbarten Einsatzhäfen Breitscheid, Lippe (heute der zivile Siegerlandflughafen) und Ailertchen. Daneben verfügten die einzelnen Flugplätze – und damit auch Breitscheid – über eigenen Funk.

Infolge der totalen alliierten Luftüberlegenheit wurde der Flugplatz zum Ziel schwerer Luftangriffe durch US-Jagdbomber. Ein Einsatz am 11. März 1945 führte jedoch zu einer verheerenden regionalen Katastrophe: Aufgrund technischer Pannen und Navigationsfehler verfehlten die Bomben weitgehend den militärischen Platz auf der Hub und trafen stattdessen die benachbarten Ortschaften. Es gab 22 Tote in Gusternhain sowie 3 Tote in Breitscheid, dazu Schwerverletzte in beiden Orten; weite Teile Gusternhains wurden zerstört oder schwer beschädigt.

Die Einsatzfähigkeit des Platzes war in den letzten Kriegswochen nahezu vollständig lahmgelegt. In der Nacht vom 26. auf den 27. März 1945 wurde der Einsatzhafen schließlich überstürzt geräumt. Was nicht mitgenommen werden konnte – darunter Munitionsbestände, Treibstoffe und beschädigte Fluggeräte –, wurde von den abziehenden deutschen Truppen gesprengt oder zerstört zurückgelassen.

Historisches Dossier · Vertiefung 1945

Das Schicksal der „Magnificent Obsession“

Die Rekonstruktion des dramatischen letzten Fluges der B-17G (Seriennummer 43-38068) mit dem Spitznamen „Magnificent Obsession“ dokumentiert eines der einschneidendsten Luftfahrtunglücke im Dillkreis. Die Maschine flog am 9. März 1945 mit einer reduzierten Besatzung aus neun statt der üblichen zehn Mann.

schedule Missionsprotokoll: 9. März 1945

06:00 UHR

Start in Eye, England (Station 134)

Die Besatzung der 8th Air Force startet bei eisigen Temperaturen. Ihre Mission führt sie im Verband tief über deutsches Territorium mit dem strategischen Einsatzziel Frankfurt am Main.

ÜBER DEM ZIEL

Schwerer Flaktreffer

Dichte Detonationen umschließen die Formation. Ein direkter Flaktreffer beschädigt ein Triebwerk der B-17G schwer, reißt eine Sauerstoffleitung auf und entfacht ein bedrohliches Feuer unter dem Cockpitboden.

KRISENFLUG

Entscheidung zur Notlandung

Der Pilot, 2nd Lt. Carl J. Faust Jr., verlässt gezwungenermaßen die schützende Formation. Die schweren Schäden machen einen Flug zum nächsten regulären Notlandefeld (150 Meilen entfernt) unmöglich.

LANDUNG

Bruchlandung am Bartenstein

Faust sichtet die offene Hub. Um eine verheerende Explosion zu verhindern, sichert die Crew im dichten Rauch die Zünder der 44 noch an Bord befindlichen Bomben. Bei der Bauchlandung auf einer Wiese bei Gusternhain bleibt die Maschine an einem Gebüsch hängen und wird auseinandergerissen.

location_on Verortung des Aufprallpunkts

Der Bomber schlug auf einer Wiese im Flurbereich „Bartenstein“ nahe Gusternhain auf. Die genaue Stelle konnte anhand historischer Luftaufnahmen der britischen Royal Air Force vom 19. März 1945 und heutiger Geodaten verortet werden.

folder_shared Mitglieder der Besatzung

2nd Lt. Carl J. Faust Jr.

Pilot / Kommandant

Sohn deutscher Einwanderer. Erhielt für seine außergewöhnliche fliegerische Leistung das Distinguished Flying Cross (DFC). Nach seiner Gefangennahme in Wetzlar übersandte er die hohe militärische Auszeichnung als Zeichen des Respekts an die Witwe seines verunglückten Bordingenieurs.

Sergeant Roy E. Caver

Bordingenieur

Kämpfte im Cockpit ohne Sauerstoffmaske unter Lebensgefahr gegen das sich ausbreitende Feuer an. Wurde bei der Bruchlandung lebensgefährlich verletzt und verstarb im Herborner Lazarett. Primärdokumente belegen seinen Todestag am 19. März 1945, abweichend vom falschen Datum auf dem Grabkreuz in Margraten.

Staff Sergeant Lloyd K. Wells

Heckschütze

Erhielt nach dem Krieg das Purple Heart und die Air Medal; später wurde ihm rückwirkend auch die Prisoner of War Medal verliehen. Nach Rückkehr in die Heimat prägte er als geschätzter Musiker und Pädagoge die Veteranengemeinschaft bis zu seinem Tod im Jahr 2017.

Sergeant Paul W. Winkel

Seitenschütze

Überstand die dramatische Bruchlandung sowie die anschließende Internierung ohne körperliche Verletzungen. Kehrte anschließend in die Vereinigten Staaten zurück, wo er als erfolgreicher Partner in der heimischen Holzindustrie tätig war.

report_problem Schicksale & Opfer:

Der Kugelturmschütze Staff Sergeant George K. Bryant wurde während des heftigen Aufpralls von einem losgerissenen, tonnenschweren Funkstörsender im Rumpf erschlagen. Bordingenieur Sergeant Roy E. Caver starb trotz aller Bemühungen der Ärzte im Lazarett Herborn.

Zweite Geschichte

Aus eigener Kraft: Der zivile Neubeginn

Vom Feldweg mit Seilwinde zum Luftfahrtzentrum – die bewusste Wiederaneignung der Hub.

Historische Luftaufnahme des Flugplatzes Breitscheid mit Bunkerringstraße
camera_alt Historische Luftaufnahme der Hub mit erster Halle und Bunkerringstraße hinter dem Platz.
Zum ehemaligen Einsatzhafen gehörendes Gebäude am Breitscheider Flugplatz
photo_library Weitergenutztes Gebäude
Me 108 Taifun auf dem Flugtag in Breitscheid 2005
photo_library Motiv eines späteren zivilen Flugtags. Foto: Ulrich Thielmann.
03
1945–1951

Demilitarisierung, Trümmerbeseitigung und zivile Neuausrichtung

Nach der bedingungslosen Kapitulation 1945 stand zunächst die grundlegende Versorgung der notleidenden Bevölkerung im Vordergrund. Das zerstörte Gelände kehrte gezwungenermaßen zur rein landwirtschaftlichen Nutzung zurück. In mühsamer Handarbeit mit „Hacke und Schippe“ beseitigten die Bürgerinnen und Bürger von Breitscheid Hunderte Bombentrichter, um das Land wieder nutzbar zu machen.

Rund 15 Hektar des ehemaligen Flugplatzes wurden für den Kartoffel- und Getreideanbau parzelliert und an lokale Familien verteilt. Die ehemaligen Militärbaracken, die den Krieg überstanden hatten, erhielten völlig neue zivile Verwendungen: Eine der Baracken beherbergte eine provisorische Produktionsstätte für feine Nylonstrümpfe, während in einer anderen der Flaschenbierhandel von Paul Eichmann seinen Betrieb aufnahm.

Diese landwirtschaftliche Zwischenphase half nicht nur, die akute Hungersnot der Nachkriegsjahre abzumildern, sondern band das zerstörte Areal wieder in den Alltag der Gemeinde ein. Die in der Nachkriegszeit begonnene landwirtschaftliche Nutzung wurde 1973 durch die Verpachtung an einen Aussiedlerhof langfristig geordnet. Der Grünlandbetrieb pflegt und bewirtschaftet bis heute die weitläufigen Naturflächen rund um das Flugplatzgelände.

Das erste Segelflugzeug im Bau auf dem Speicher der Gerberei Sonntag
camera_alt Das erste Segelflugzeug im Bau auf dem Speicher der Gerberei Sonntag.
Erste Montage des selbstgebauten Segelflugzeugs auf der Wiese der Gerberei Sonntag
photo_library Erste Montage auf der Wiese der Gerberei Sonntag. Dieses Bild wurde damals als Baustein für 1 DM pro Stück verkauft.
Erste selbstgebaute Schleppwinde am Flugplatz Breitscheid
photo_library Erste Schleppwinde, Konstruktion E. Weiß, im Selbstbau hergestellt.
04
1951–1957

Pionierzeit: Der Segelflug kehrt zurück

Mit der Wiederzulassung des Segelflugs im Jahr 1951 begann auf der Hub eine grundlegend neue Epoche. Die Fliegerei kehrte nicht unter militärischen Vorzeichen zurück, sondern als gemeinschaftlich organisierter Luftsport. In Haiger fand sich 1952 eine kleine Gruppe von Flugbegeisterten zusammen. Ihr größter Wunsch war ein eigenes Segelflugzeug. Da der Kauf eines fertigen „Grunau Baby III“ mit rund 2.000 DM für die junge Gruppe nicht finanzierbar war, entschieden sich die Mitglieder für den vollständigen Eigenbau.

Mit einem Startkapital von lediglich 120 DM (umgerechnet unter Berücksichtigung der heutigen Kaufkraft ca. 1.500 Euro) entstanden Rippen, Spanten, Holme, Rumpf und Leitwerk in örtlichen Werkstätten und Kellerräumen. Für die Endmontage wurde der große Speicher der Gerberei Sonntag vorübergehend zur Flugzeugwerkstatt umfunktioniert. Bereits nach neun Monaten war das aus Holz, Sperrholz und Leinwand gefertigte Segelflugzeug bespannt und lackiert.

Auch das ehemalige Flugplatzgelände musste für den zivilen Flugbetrieb erst wieder erschlossen werden. Der frühere Einsatzhafen war noch von Gräben, unterschiedlichen Nutzungsflächen und den Spuren der Kriegsjahre geprägt. Teile des Geländes wurden landwirtschaftlich genutzt, andere Flächen waren aufgeforstet worden. Nach Verhandlungen mit der Gemeinde erhielten die Luftsportler die Erlaubnis, zunächst einen diagonal zur heutigen Landebahn verlaufenden Feldweg für Segelflugstarts mit einer Seilwinde zu nutzen.

Da die Gruppe anfangs keine eigene Winde besaß, war sie auf die Zusammenarbeit mit benachbarten Vereinen angewiesen. Zeitweise verbrachten sogar Segelflieger aus dem Rheinland, dem Ruhrgebiet und aus den Niederlanden ihre Flugferien in Breitscheid.

Erste Flugzeughalle am Flugplatz Breitscheid mit kleinem Nebengebäude
camera_alt Erste Flugzeughalle. Das kleine Gebäude daneben war Flugleitung, Geschäftszimmer und später erstes Büro der Westerwald-Flug GmbH. Alles in Eigenleistung erstellt.
Rhönlerche II vor dem Start auf dem Flugplatz Breitscheid
photo_library Rhönlerche II vor dem Start.
Taufe des Motorseglers G 109 B Stadt Haiger durch Bürgermeister Kröckel 1985
photo_library Taufe des Motorseglers G 109 B „Stadt Haiger“ durch Bürgermeister Kröckel im Oktober 1985.
05
ab 1957

Aus dem Verein wird ein Luftfahrtzentrum

Ausgehend von einer kleinen, von den Mitgliedern selbst errichteten Halle entstanden im Laufe der Jahre drei Flugzeughallen sowie ein Tower, eine Werkstatt und ein Clubraum. Auch die erste Schleppwinde und später eine Doppeltrommelwinde entstanden im Eigenbau. In der Vereinswerkstatt bauten die Mitglieder außerdem einen Segelflieger vom Typ L-Spatz 55. Der erste reguläre Neukauf war 1957 eine Rhönlerche II für die Schulung. Später wurde der Flugzeugbestand unter anderem um Ka 7, Ka 6, Blanik, Nimbus, Astir, G 109 B und verschiedene Motorflugzeuge erweitert.

1958 wurde die Westerwald-Flug GmbH gegründet, um den Flugbetrieb professionell zu organisieren. Eine zentrale Aufgabe des Vereins war und ist die Ausbildung: Fluglehrer und viele für die Wartung verantwortliche Mitglieder arbeiteten ehrenamtlich. Die Vereinsmitglieder beteiligten sich mit Arbeitsstunden am Ausbau und Erhalt des Platzes, wodurch die Kosten des Flugsports vergleichsweise niedrig gehalten werden konnten.

Ende 1991 verzeichnete der Verein laut Jubiläumsheft von Klaus Weiß 41 aktive Mitglieder im Segelflug, 35 im Motorsegelflug und 30 im Motorflug. Diese Zahlen sind eine historische Momentaufnahme und beschreiben nicht den heutigen Mitgliederstand. Auch sportliche Erfolge gehörten zur zivilen Geschichte: 1986 wurde das Vereinsmitglied Burkhard Stenschke Deutscher Juniorenmeister im Streckensegelflug.

Ein wichtiger Meilenstein der demokratischen Nachkriegsgeschichte: Zwischen 1959 und 1962 lehnte die Gemeinde Breitscheid mehrfache Gesuche der neugegründeten Bundeswehr ab, den Platz erneut als militärische Luftwaffenbasis zu nutzen. Seit den frühen 1960er-Jahren machten große Flugtage den Platz über die Region hinaus bekannt. Die Einnahmen wurden für Nachwuchsförderung, Fluggerät und den Erhalt des Flugplatzes eingesetzt.

Die eigentliche Erfolgsgeschichte der Hub liegt in ihrer Umwandlung: Aus einem für den Krieg geschaffenen Gelände wurde ein friedlich genutzter Ort für Ausbildung, Sport, Technik, Gemeinschaft und internationale Begegnungen. Die militärische Vergangenheit erklärt die Entstehung des Platzes. Seine zivile Entwicklung zeigt dagegen, was er heute für die Region bedeutet.

Flugzeug-Meilensteine

Auswahl aus der historischen Vereinsflotte

Stand: Ende 1991, gemäß dem Jubiläumsheft von Klaus Weiß. Keine Darstellung des heutigen Bestands.

Grunau Baby III

Symbol des Neuanfangs

Rhönlerche II

Erstes gekauftes Schulflugzeug

Ka 7

Ausbildung im Doppelsitzer

L-Spatz 55

Weiterer Eigenbau

G 109 B „Stadt Haiger“

Motorsegelflug

Cessna 182

Erweiterung des Motorflugs

Menschen statt nur Maschinen

Die Menschen hinter dem Flugplatz

Porträts auf Grundlage des Jubiläumsheftes von Klaus Weiß; die Angaben entsprechen dem damaligen Stand.

Erich Weiß

Gründer, Werkstattleiter und Ausbildungsleiter

Heinz Krenzer

Am Bau des ersten Segelflugzeugs beteiligt

Walter Sonntag

Gründungsmitglied und langjähriger Motor- und Segelflieger

August Mölzing

Fluglehrer und ältester aktiver Pilot zur Zeit des Jubiläumsheftes

Gegenwart

Das multifunktionale Luftfahrtzentrum heute

Der Verkehrslandeplatz EDGB ist ein wesentlicher wirtschaftlicher Motor und ein touristisches Highlight im Westerwald.

info

Kenndaten & Status

Verkehrslandeplatz EDGB im Bereich der RMZ Siegerland mit modern ausgerüstetem Info-Tower zur Unterstützung eines sicheren Flugbetriebs auf 559 m ü. MSL.

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Infrastruktur

Die Start- und Landebahn hat eine Gesamtlänge von 1.002 m; davon sind 785 m auf einer Breite von 15 m asphaltiert.

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Vielseitige Nutzung

Ganzjähriger Flugbetrieb für Motorflug, Segelflug, Fallschirmsport, Pilotenausbildung und weitere zivile Luftfahrtaktivitäten.

business

Starke Unternehmen

Standort der Gomolzig Flugzeug- und Maschinenbau GmbH, des Restaurants „Food Hangar“ sowie des Boardinghouse Breitscheid.

landscape

Natur- & Freizeitoase

Zertifiziertes Nordic-Walking-Zentrum und direktes Ausflugsziel mit unmittelbarem Einstieg in den bekannten Premium-Wanderweg Rothaarsteig.

celebration

Etablierte Groß-Events

Austragungsort der international bekannten JetPower-Fachmesse sowie weiterer Flugtage und Veranstaltungen.

Erinnerungskultur & Versöhnung

Vom Instrument des Krieges zur Völkerverständigung

Die Geschichte des Flugplatzes Breitscheid dokumentiert den Wandel von einem Instrument des Krieges zu einem friedlichen Ort der Völkerverständigung und des Flugsports.

Die Erinnerung an die Besatzung der „Magnificent Obsession“ wird bis heute gewahrt: Das restaurierte Originalfahrwerksbein des Bombers ist als Exponat im Heimatmuseum Herborn ausgestellt.

Heute präsentiert sich der Flugplatz auf der Hub als lebendige, rein zivile Einrichtung, deren Fortbestand maßgeblich auf dem ehrenamtlichen Engagement der Luftsportgruppe Breitscheid-Haiger e.V. beruht.

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Heimatmuseum Herborn

Wer die Geschichte der B-17G anschaulich nachvollziehen möchte, findet dort Fundstücke und restaurierte Wrackteile.

Museum besuchen open_in_new

Bildergalerie

Zwei Bildgeschichten

Militärische Geschichte und Kriegsfolgen einerseits – ziviler Aufbau und Vereinsleben andererseits.

Militärische Geschichte und Kriegsfolgen

Historische Luftaufnahme des Flugplatzes Breitscheid mit erster Halle und Bunkerringstraße
Historische Luftaufnahme der Hub: erste Halle der Westerwald-Flug GmbH sowie die Bunkerringstraße. Die Bunker wurden bei Kriegsende von der US-Armee gesprengt und sind heute stark zugewachsen.
Zum ehemaligen Einsatzhafen gehörendes Gebäude am Breitscheider Flugplatz
Zum ehemaligen Einsatzhafen gehörendes Gebäude am Breitscheider Flugplatz. Foto: Ulrich Thielmann, 2006.
Leutnant Franz vor einer Messerschmitt Bf 109 G-14/AS im August 1944
August 1944: Leutnant Franz mit Hund vor einer Messerschmitt Bf 109 G-14/AS als Staffelkapitän der 7./JG 11. Foto: Richard Franz.
Bf 109 G-6 auf dem Breitscheider Flugplatz
Bf 109 G-6 am 18. Juni 2007 auf dem Breitscheider Flugplatz. Foto: LSG Breitscheid-Haiger.
Bf 109 G-6 am 18. Juni 2007 auf dem Breitscheider Flugplatz
Rollende Bf 109 G-6 am 18. Juni 2007 auf dem Breitscheider Flugplatz. Foto: LSG Breitscheid-Haiger.

Ziviler Aufbau und Vereinsleben

Das erste Segelflugzeug im Bau auf dem Speicher der Gerberei Sonntag
Das erste Segelflugzeug im Bau auf dem Speicher der Gerberei Sonntag.
Erste Montage des selbstgebauten Segelflugzeugs auf der Wiese der Gerberei Sonntag
Erste Montage des selbstgebauten Segelflugzeugs auf der Wiese der Gerberei Sonntag. Dieses Bild wurde damals als Baustein für 1 DM pro Stück verkauft.
Erste Flugzeughalle am Flugplatz Breitscheid
Erste Flugzeughalle. Das kleine Gebäude daneben war Flugleitung, Geschäftszimmer und später erstes Büro der Westerwald-Flug GmbH. Alles in Eigenleistung erstellt.
Erste selbstgebaute Schleppwinde
Erste Schleppwinde. Konstruktion E. Weiß. Im Selbstbau hergestellt. Das Fahrgestell mit Motor trägt heute noch die Doppeltrommelwinde.
Rhönlerche II vor dem Start
Rhönlerche II vor dem Start.
Segelflugzeuge Ka 6, Ka 7 und Rhönlerche mit Fluglehrern Erich und Klaus Weiß
Von rechts: die Segelflugzeuge Ka 6, Ka 7 und Rhönlerche. Vor den Flugzeugen die Fluglehrer Erich und Klaus Weiß. In der Ka 6 sitzt Willi Jakob.
Taufe des Motorseglers G 109 B Stadt Haiger durch Bürgermeister Kröckel
Taufe des Motorseglers G 109 B „Stadt Haiger“ durch Bürgermeister Kröckel im Oktober 1985.
Klemm Kl 107 bei einer Vorführung in Breitscheid
Historischer Motorflug bei einer Vorführung auf dem Flugplatz Breitscheid.
Flugtag auf dem Flugplatz Breitscheid 2008
Flugtag auf dem Flugplatz Breitscheid 2008. Foto: Marco Dienst.
Besucherinnen und Besucher schauen bei einem Flugtag in den Himmel
Der Flugplatz als Ort für Begegnung, Ausflüge und Veranstaltungen.

Willkommen am Flugplatz

Der Flugplatz dient heute ausschließlich zivilen Zwecken

Wer heute nach Breitscheid kommt, erlebt ein offenes, lebendiges und friedliches Vereinsumfeld sowie einen modernen Verkehrslandeplatz. Die bewegte Geschichte erklärt diesen besonderen Ort – sie überschattet ihn nicht mehr.

Anfahrt ansehen arrow_forward
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Archivierte Quellenbasis

Ortschronik, Militärarchive und regionale Überlieferung

Diese historische Ausarbeitung stützt sich auf die Ortschronik von Breitscheid, Berichte von Bürgermeister Robert Bechtum und Walter Bechtum, alliierte Primärdokumente (u. a. Missing Air Crew Report MACR 12947) sowie Recherchen und Veröffentlichungen von Gerhard Lingenberg, Ulrich Thielmann, Manfred Thielmann († 24. April 2026) und Mario Isack. Die Geschichte der B-17 ist zudem in „Der Luftkrieg im Dillgebiet“ von Rainer Klug dokumentiert, herausgegeben vom Geschichtsverein Herborn e.V., Ausgabe 2006. Für die zivile Pionier- und Vereinsgeschichte ist das Jubiläumsheft von Klaus Weiß eine zentrale Quelle; Angaben zu Mitgliedern, Flotte und Funktionen einzelner Personen beziehen sich insbesondere auf den Stand Ende 1991 und sind keine Darstellung der heutigen Verhältnisse.

BASIS-DOKUMENTATION

Wesentliches historisches Fundament dieser Darstellung ist die 2010 erschienene Dokumentation „Die Geschichte des Breitscheider Flugplatzes. Ehemaliger Einsatzhafen der Wehrmacht und heutiger Verkehrslandeplatz“ von Ulrich Thielmann, Manfred Thielmann (†) und Mario Isack, herausgegeben von der Schreibwerkstatt SCHRIFT:gut, ISBN 978-3-9813391-3-0.

info

Redaktioneller Hinweis

Zeithistorische Inhalte – bitte um Nachsicht

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